Im Vogelnest geht es gesellig zu

Hilfen und Freizeitangebot sind wohnortnah

BRAKE. Es ist Dienstag, kurz vor 10 Uhr. Einige Rollatoren werden vor der Tür abgestellt. Es wird gelacht und geklönt. Man kennt sich. 13 Frauen und Männer nehmen auf den Stühlen Platz, die Ingrid Wiese im Kreis aufgestellt hat. Dann wird zum Theraband gegriffen. Die Sitzgymnastik im Vogelnest beginnt.


Sitzgymnastik im Nachbarschaftstreff. Bildquelle: Kreiszeitung Wesermarsch

Das Vogelnest: So heißt der Nachbarschaftstreff im Ringquartier. Die Adresse: Kiebitzring 39. Seit Juli 2011 gibt es ihn. Damals hat die Wohnungsbau Wesermarsch/Braker Wohnbau ihren Mietertreff in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfallhilfe (JUH) ausgebaut. Geschaffen wurde eine Anlaufstelle für ältere Mieter. Das Ziel: Sie sollen solange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung führen. Also in ihrer Wohnung, in der sie oft schon viele Jahre leben.

» Es ist ein kleines Anlaufzentrum entstanden. Das hebt auch die Mietzufriedenheit und die Qualität des Quartiers.«
Rainer Gallasch, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft

Das Vogelnest bietet nicht nur ein wohnortnahes Freizeitangebot, das von Klönschnack über kreatives Betätigen wie Malen oder Basteln über Sitzgymnastik bis zu Ausflügen reicht. Es gibt eine Quartiermanagerin als Ansprechpartnerin für alle Belange. Das ist seit vier Jahren Marie-Luise Schwarz. „Die Mieter kommen aus ganz unterschiedlichen Anlässen: Manche verstehen ihre Telefonrechnung nicht. Andere haben Probleme mit ihrem Kurantrag", erzählt die 30-Jährige. Und auch: „Als Quartiermanagerin bin ich nicht nur Problemlöserin, sondern auch Vernetzerin." Sie arbeitet mit dem Pflegestützpunkt Wesermarsch zusammen.
Zum Beispiel bei den Demenzgruppen, die dienstags und mittwochs angeboten werden. „Unser ehrenamtlicher Fahrer holt die Erkrankten aus der ganzen Wesermarsch ab. Es gab eine Lücke, die wir gefüllt haben."

Die Arbeit im Quartier geht ohnehin nur mit Ehrenamtlichen. Die 15 Helferinnen und Helfer betreuen Mieter auch mal zuhause, gehen mit ihnen einkaufen, gießen die Blumen. Sie entlasten so die Angehörigen. Auch Marie-Luise Schwarz macht Hausbesuche. Gerade bei neuen Mietern. Sie lädt sie ein, mal zur Sitzgymnastik oder zum Klönschnack ins Vogelnest zu kommen. „Auch wenn es feste Gruppen gibt: Zugezogene werden schnell aufgenommen", berichtet sie. Im Alter werde oft der Bekanntenkreis kleiner: „Hier ist es genau umgekehrt. Hier lernt man neue Menschen kennen."


Das Vogelnest im Kiebitzring 39. Bildquelle: Kreiszeitung Wesermarsch

Weniger Leerstände

Entstanden ist so ein kleines Zentrum, in dem mobile und weniger mobile Senioren eine Anlaufstelle um die Ecke haben. „Das hebt auch die Mietzufriedenheit und die Qualität des Quartiers", weiß Rainer Gallasch, Geschäftsführer der Wohnungsbau Wesermarsch/ Braker Wohnbau. Vor sechs Jahren hat die Wohnungsbaugesellschaft Neuland betreten: „Jetzt merken wir die Erfolge." Daher will man am Quartiermanagement festhalten. Es gebe weniger Leerstände, weniger Wohnungswechsel. Und die Gesellschaft erfährt über Marie-Luise Schwarz die Bedarfe der Bewohner.

Die werden im Ringquartier immer älter. Im Jahr 2014 wohnten 119 Menschen im Alter von 60 bis 70 Jahren dort, 136 im Alter von 70 bis 80 Jahren, 66 waren zwischen 80 und 90 Jahre alt. Und sieben sogar zwischen 90 und 100 Jahren. „Was hier in dem Viertel fehlt, sind Fahrstühle", sagt Rainer Gallasch ganz offen. Aber die lassen sich nicht in die Wohnblocks einbauen. Im Laufe der Jahre hat Marie-Luise Schwarz gemerkt, was die Bewohner mögen. Das Herstellen von Schmuck oder die Filmnachmittage trafen nicht so den Nerv. Und auch mehrere Veranstaltungen an einem Tag sind zu viel.

„Man muss auf die Interessen der Mieter hören"

sagt die Sozial- und Organisationspädagogin. Sitzgymnastik, Spielen, gemeinsames Frühstück und Mittagessen, Klönen und Ausflüge kommen „super" an: „Die Menschen wollen schnattern." Zwölf Besucher kommen im Durchschnitt pro Veranstaltung, mal weniger, mal auch mehr. Die müssen in Zukunft erst mal auf Marie-Luise Schwarz verzichten. Sie geht am 30. August in Mutterschaft. Ihre Vertretung ist geregelt: Angelique Tissler ist die neue Ansprechpartnerin. Sie ist schon eingearbeitet. Marie-Luise Schwarz: „Ich werde wiederkommen."

Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch